DOKUMENTATION 2000
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Was die Gründerszene in |
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Ideen, Intelligenz, Kapital - und schaffen Von Reinhold Würth | |
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Nach wie vor steht Baden-Württemberg im Vergleich aller Bundesländer bei der Wanderungsbewegung zwischen Unternehmensgründungen und Betriebsauflösungen an der Spitze: In den Jahren 1996 bis 1998 wurden jährlich 18.500 Betriebe neu gegründet. Allerdings wurden auch 11.500 Betriebe aufgelöst. Der Nettozuwachs pro Jahr beträgt also nur 7.000 Unternehmen. Für ein Land mit 11 Millionen Einwohnern nicht gerade eine Euphorie auslösende Situation. Tatsächlich lässt die gesellschaftspolitische Gemengelage die Selbstständigkeit immer noch als wenig attraktiv erscheinen. Nicht nur die steuerpolitischen Rahmenbedingungen, sondern auch die durch die Gesellschaftspolitik der letzten 30 Jahre entstandene Unternehmer- und Unternehmensfeindlichkeit, das Naserümpfen über Eliten ganz allgemein, hat zu einer Versorgungsmentalität geführt. Sie lässt dem Bürger als selbstverständlich erscheinen, dass der Staat für alles und jedes verantwortlich ist. Die heutige Generation hat sich sozusagen auf Pump ein gutes Leben gemacht, zu Lasten unserer Kinder und Enkel, die die Staatsschulden abtragen müssen. Was ist nun zu tun, um dieses etwas düstere, jedoch nicht aussichtslose, Szenario zu verändern? Veränderungsmöglichkeiten sehe ich - langfristig, über Dezennien angelegt - auf zwei Ebenen. Zum einen bei der Erziehung und Ausbildung unserer Kinder: Familien und Schulen müssen verständlich machen, dass wir einiges tun müssen, um unseren Lebensstandard - einen der höchsten der Welt - zu erhalten. Globalisierte Märkte und unlimitierte Konkurrenz erlauben dies nur, wenn jeder Einzelne bereit ist, nicht nur Kompromisse zwischen Ökologie und Ökonomie einzugehen, sondern auch versteht, dass Arbeitsplätze nur dann sicher sind, wenn die Betriebe angemessene Gewinne erwirtschaften; wenn Freiraum für Forschung und Entwicklung besteht und wenn jeder Bürger begreift, dass Technik in all ihren Ausprägungsformen unseren Lebensstandard sichert. Die andere Ebene ist die Generation, die heute die Schulpflicht beendet, die von den Hochschulen oder der Ausbildung ins Leben entlassen wird. Gerade auf diesem Gebiet läuft in Deutschland, besonders auch in Baden-Württemberg, viel. Landauf und landab sind Unternehmensgründungsaktivitäten entstanden, hocherfahrene pensionierte Kaufleute bieten der Jugend Beratung und Unterstützung bei einer Unternehmensgründung an. Ein gutes Beispiel dafür ist die Region Karlsruhe. Neben der Initiative des Cyber-Forums hat sich im Umfeld der Universität die KEIM - eine Initiative von Forschung, Wirtschaft und Verwaltung der erweiterten TechnologieRegion Karlsruhe - aufgetan. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Initiative EXIST über die Region Karlsruhe gelegt, mit Fördermitteln in Höhe von 10 Millionen DM und neuerdings habe ich nun in aller Bescheidenheit den neuen Lehrstuhl für Entrepreneurship an der Fridericiana übernommen. Auch mein Ziel ist, jungen Menschen verständlich zu machen, welche Lebensbereicherung Selbstständigkeit bringt. Dennoch gedeihen die Unternehmensgründer auf diesem fetten Boden eher zögerlich. Das wichtigste Asset für eine erfolgreiche Unternehmensgründung bleibt nach wie vor die Bereitschaft zu arbeiten, zu schaffen, sich unbändig für eine als richtig erkannte Idee einzusetzen. Die Welt ist voll von Wissensriesen aber leider auch von Realisierungszwergen. Ein weiteres riesiges Themenfeld ist die Steuerpolitik. Vor einem Jahr wurde das Schröder-/Blair-Papier veröffentlicht. Analysiert man, wie diese großen Worte in die Realität umgesetzt wurden, dann ist festzustellen, dass Tony Blair unserem Bundeskanzler mit Siebenmeilenstiefeln davongeeilt ist. So hat Blair schon im Oktober 1999 mit seinem Parlament postuliert, dass Unternehmensgründer nur noch 10% Ertragssteuer zu bezahlen haben. Bei uns dagegen ruht auf diesem Gebiet der See still wie eh und je unter allen Regierungen der letzten 30 Jahre. Man hat ja nun eine Einkommensteuersenkung bis zum Jahr 2003 angedacht mit einer Fülle von Einschränkungen, Ausnahmen und komplizierten Definitionen unterschiedlicher Einkommenstypen - welches Tohuwabohu, welcher normale Bürger soll sich da noch zurecht finden? Immerhin müssen wir halt kleine oder gar kleinste Brötchen backen, schon kleine Trippelschritte können dem vom Krakenstaat ausgesaugten Steuerbürger kleine Erleichterung und damit auch etwas Optimismus bringen. So sehe ich tatsächlich erste kleine Änderungsansätze in der Bürgermentalität, man ist der Hoffnung, dass sich Leistung irgendwann in naher Zukunft wieder lohnt und ist auch bereit, sich darauf vorzubereiten. Wir können nur hoffen, dass auf dem Gebiet der Steuerbelastung und der Sozialkosten die Entlastung rabiat fortgesetzt wird, zu unser aller Nutzen und vor allem jenem der Jugend. Insgesamt gehöre ich zu den Optimisten und bin durchaus der Meinung, dass Baden-Württemberg seine führende Position in der Republik und auch relativ gesehen in Europa nicht nur halten, sondern ausbauen wird - daran wollen wir alle gemeinsam arbeiten. |














