DOKUMENTATION 2003

Im Interview

Prof. Roland Heger, Ph.D., ist Dozent für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der School of International Business (SIB) der Fachhochschule Reutlingen. Er engagiert sich im bwcon:net und unterstützt dadurch junge Unternehmen und Hochschulgründer.

Frage:
Welchen Vorteil hat die kostenlose Gastmitgliedschaft bei bwcon für die Hochschulen?

Heger:
Die kostenlose Gastmitgliedschaft der Hochschulen bei bwcon erleichtert es, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf allen Ebenen zu unterstützen, und zwar gerade dort, wo am ehesten neue Ideen aufgegriffen, Visionen entworfen und geschäftliche Innovationen entwickelt werden. bwcon stellt die zwanglose Umgebung dar, in der sich Wissenschaft und Wirtschaft begegnen und austauschen können.

Frage:
Welche Vorteile ergeben sich aus Ihrem Engagement bei bwcon für Wissenschaft und Forschung?

Heger:

Wissenschaft und Forschung werden meist zu unrecht als praxisfern betrachtet. Bei bwcon erfahren Wissenschaft und Forschung, wo Unternehmen der Schuh drückt, wo bessere Konzepte benötigt werden, wo weitere Forschungsanstrengungen nötig sind, und was schlicht besser kommuniziert und weiter verbreitet werden muss. Gleichzeitig lernen Unternehmen den Stand von Wissenschaft und Technik kennen. Dabei wurde auch schon die eine oder andere Kooperation zwischen Unternehmen und uns ausgelotet.

Frage:
Reichen gute Ideen heutzutage noch für eine erfolgreiche Existenzgründung aus? Was raten Sie jungen Innovatoren derzeit, die vor dem Wagnis einer Unternehmensgründung stehen?

Heger:

Gute Ideen sind meiner Erfahrung nach zwar wichtig, aber zu wenig, um erfolgreich zu sein. Wer eine bessere Lösung verkaufen will, muss dies dem Markt auch kundtun. Gerade IT-Güter und -Angebote sind oft schwer einschätzbar und erst lange nach Einführung objektiv bewertbar. In dieser Hinsicht haben junge Unternehmen einen Nachteil, weil sie den Markt erst von ihrer Zuverlässigkeit und Güte überzeugen müssen. Andererseits ermöglicht die Selbständigkeit in der ITBranche Chancen, die es in anderen Wirtschaftszweigen so meist nicht gibt. Grundsätzlich sollte eine Unternehmensgründung nicht von der wirtschaftlichen Stimmung abhängig gemacht werden. Vielmehr stellt sich die Frage, ob man bereit ist, die drei bis fünf Jahre der Anfangsphase mit vielen Zusatzstunden und ohne Urlaub zu überstehen. Eine schlechte wirtschaftliche Lage mit entsprechend hohem Leidensdruck kann Jungunternehmern sogar helfen, eher Gehör zu finden und in ansonsten verschlossene Kundenkreise einzudringen - natürlich nur, wenn das Produkt stimmt.


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