DOKUMENTATION 2003

Rede des Vorstandsvorsitzenden Herrn Christian Brand
anl. der Preisverleihung CyberOne am 13. Mai 2003 L-Bank, Stuttgart
 
Begrüßung:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, es ist mir eine große Freude Sie als Schirmherrn der Veranstaltung in der L-Bank begrüßen zu dürfen.
Sehr gerne sind wir Ihrer Bitte, Herr Haasis, nachgekommen, die heutige Jubiläumspreisverleihung des CyberOne in der L-Bank auszu-
richten. Wir brauchen solche Veranstaltungen wie heute, um positive Signale aus zu senden und Mut zu machen, neue innovative Unternehmen zu gründen.

Ganz besonders herzlich Willkommen heißen möchte ich selbstverständlich die Preisträger der heutigen Veranstaltung, Herrn Laidig, Geschäftsführender Gesellschafter der Laidig Business Consulting GmbH, Böblingen und Vorstand der bwcon, Stellvertretend für die Vertreter des Staats- und Wirtschaftsministeriums, Herrn Ministerialdirektor Dr. Epple, Herrn Dr. Pfeiffer, Deutscher Bundestag, Berlin, Damen und Herren des diplomatischen und konsularischen Corps, sowie Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Die L-Bank hat als Staatsbank für Baden-Württemberg die Aufgabe, den Standort und seine Wirtschaftskraft zu stärken. Wir tun dies, indem wir durch zinsgünstige Kredite, Risikoübernahmen, Eigenkapital oder eigene Investments einen ent-
scheidenden Beitrag für Innovationen und Investitionen leisten und tragen damit zur langfristigen Sicherung des Standorts Baden-Württemberg bei. Dabei ist unser oberstes Ziel die Sicherung eines ausreichenden Finanzierungsangebots für junge und mittelständische Unternehmen.
Hier bietet die L-Bank zum einen Programme, die den Hausbanken günstige Mittelstandskredite gewähren, die dann an die Unternehmen weitergegeben werden.
Zum anderen entlastet sie die Hausbanken von Finanzierungsrisiken, indem sie Bürgschaften bei Krediten an mittelständische Unternehmen übernimmt. Wenn es um die Unternehmensinvestitionen geht, übernehmen wir nicht nur Risiken bei der Kreditfinanzierung, sondern entlasten mit unserem Beteiligungsgarantieprogramm seit Juli 2002 auch Kapitalinvestoren von ihren Finanzierungsrisiken. Mit dem gleichzeitig neu aufgelegten L-EA Mittelstandsfonds in Höhe von 125 Millionen Euro bietet die L-Bank über ihre L-Eigenkapital-Agentur etablierten mittel-
ständischen Unternehmen Beteiligungsengagements an.
Auch jungen innovativen Unternehmen mit Wachstumschancen stellt die L-Bank Risikokapital zur Verfügung. Dafür hat sie mit 125 Millionen Euro den L-EA Venture Fonds - einen der größten Venture-Capital-Fonds in Baden-Württem-berg - aufgelegt, um im Interesse des Landes in Zukunftstechnologien zu investieren.
Baden-Württemberg gilt mit seinen renommierten Universitäten und wissen-
schaftlichen Einrichtungen als einer der weltweit führenden Standorte.
Auf diese Weise leistet die L-Bank einen entscheidenden Beitrag zum Tech-
nologietransfer. Alleine im Jahr 2002 ging der L-EA Venture Fonds acht neue Beteiligungen ein, darunter sechs aus dem Bereich Biotechnologie, sowie zwei aus dem Bereich IT. Dies spiegelt, was die Anzahl der Engagements angeht, den allgemeinen derzeitigen Branchenfocus von VC-Investoren wieder. Insgesamt weist das Portfolio der L-EA aber sowohl nach der Zahl der Engagements als auch nach den Investitionsvolumina eine in etwa gleichgewichtige Verteilung auf Bio Technologie und IT auf.
Diese jungen Firmen erhalten neben Eigenkapital auch laufende Management-Unterstützung, so zum Beispiel, wenn es darum geht, die Marktchancen ihrer Produkte zu beurteilen und Vertriebswege zu erschließen.
Wir beobachten in diesem Zusammenhang eine Konsolidierung des VC-Marktes in 2002.

Ich möchte diese Aussage mit zwei Punkten belegen:

  • die Risikokapitalinvestitionen sind laut BVK um - 70 % von 1,7 Milliarden auf 575 Millionen Euro zurückgegangen
  • die "verschlossenen" Kapitalmärkte haben dazu geführt, dass die Börse keine Exit-Option bietet
In diesem Zusammenhang wurde die Finanzierungssituation im IT-Bereich im Verlauf 2002 und auch heute noch immer schwieriger: denn
  • es gab nahezu kein VC für IT-Unternehmen
  • das verbliebene Kapital fließt
  • überwiegend in reifere bzw. bestehende Portfolio-Unternehmen
  • Due Diligences dauern 3 - 6 Monate und länger
Und der folgende Punkt ist fast der wichtigste:
  • die Zahl der Risikokapitalanbieter sinkt
Daher müssen wir alle, die wir in diesem Bereich tätig sind, eine noch stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit mit vorhandenen Investoren forcieren. Dabei sollte unser oberstes Ziel sein, neue Investoren für Baden-Württemberg schon bei Erstrunden-Finanzierungen zu gewinnen.
Zum Schluss möchte ich noch eine Prognose wagen: trotz der Zurückhaltung von Investoren bei technologieorientierten Frühphasen-Engagements gibt es auch durchaus ermutigende Signale. Ich denke dabei an die 3i, die sich als "major player" wieder verstärkt dem VC-Bereich mit regionalem Schwerpunkt Baden-Württemberg zuwendet. Ich denke dabei aber auch an die Zahl der eingereichten Businesspläne in unserem Haus, die im zweiten Halbjahr 2002 deutlich zunahm. Und ich berichte Ihnen, hier "unter uns", dass wir bereits für die nächsten Wochen wieder ein neues Engagement im Bereich IT eingehen wollen.

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