DOKUMENTATION 2003

Ansprache des Herrn Ministerpräsidenten
zur Preisverleihung des CyberOne 2003

am 13. Mai 2003 in Stuttgart
Manuskriptfassung. Es gilt das gesprochene Wort.

I.
Ich grüße Sie ganz herzlich. Der CyberOne - als Preis für junge High-Tech-Unternehmen und Existenzgründer der IT- und Medienbranche - wird heute zum fünften Mal vergeben.

Und wir können nach diesen fünf Jahren sagen:
Der CyberOne hat seine Bewährungsprobe bestanden -
er ist ein voller Erfolg geworden:

  • Das bezeugen die heutigen Preisträger und die 63 Firmen, die sich am Wettbewerb beteiligt haben (wiederum ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr mit 51 Firmen).

  • Das heißt: Auch in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit ist die Innovationskraft in Baden-Württemberg ungebrochen!

  • In diesem Klima und in diesem Umfeld konnte sich der CyberOne zu einem der erfolgreichsten regionalen Wettbewerbe dieser Art in Europa entwickeln.

  • Ausgesprochen bewährt hat sich dabei das Konzept des Geschäftsplan-Wettbewerbs.

  • Der Preis ist Verbindungsstelle zwischen jungen Firmen und Existenzgründern einerseits sowie erfahrenen Managern und Kapitalgebern andererseits.

  • Die Zahl von über 100 Mio. € an Risikokapital, die seit der ersten Ausschreibung des CyberOne mobilisiert werden konnten, zeigt, um welche Größenordnung es dabei geht.

Mein herzlicher Dank gilt der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected, der Jury, der 14 namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien angehören, ganz besonders Ihnen, Herr Laidig, für die Projektleitung und allen, die an der Durchführung und Weiterentwicklung des CyberOne beteiligt sind.

Und unser Dank gilt den Unternehmerinnen und Unternehmern, den Technikern und Ingenieuren, den Tüftlern und Erfindern neuer Produktideen und innovativer Geschäftskonzepte.

Sie sind Denker und Macher zugleich!
Sie sind Pioniere der wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes!

II.
Wir kommen um eine harte, aber ehrliche Bestandsaufnahme nicht mehr herum: Aus Deutschland ist ein wirtschafts- und sozialpolitischer Sanierungsfall geworden!

So leben wir seit vielen Jahren über unsere Verhältnisse.

Es ist uns schon zu einer Art Selbstverständlichkeit geworden, mehr zu verbrauchen als wir erwirtschaften. Für Investitionen und Innovationen bleibt immer weniger übrig.

Wir zehren von unserer Substanz. Und wir belasten somit massiv die Zukunftschancen der nachfolgenden Generation.

Welche Ausmaße der wirtschaftliche Abstieg bereits angenommen hat, ist anhand folgender Fakten ersichtlich:

  • Noch bis Mitte der 70er Jahre lagen Länder wie Frankreich und Großbritannien beim Inlandsprodukt je Einwohner
    bei der Hälfte des Wertes der damaligen Bundesrepublik.

  • Großbritannien, Frankreich, aber auch die Niederlande und die skandinavischen Länder, Österreich, Finnland - selbst Irland - haben uns in den letzten Jahren allesamt überflügelt.
  • Von den USA trennen uns in der Wirtschaftskraft je Einwohner mittlerweile Welten (Rückstand von 34 %).

Nun hat auch Bundeskanzler Schröder erkannt:
Es kann so nicht mehr weitergehen!

Sein Problem ist nur: Alles, was an politisch-gestalterischen Maßnahmen zur Erneuerung Deutschlands notwendig ist, bedeutet ziemlich diametral das Gegenteil dessen, was die Bundesregierung seither betrieben hat.

Für alle wirklich zukunftsweisenden Ansätze seiner reformpolitischen Agenda findet er bei der Opposition mehr Unterstützung als in der eigenen Partei - von den Gewerkschaften ganz zu schweigen.

Man muß nun abwarten, was dabei herauskommt -
ob den Worten schlußendlich auch Taten folgen.

Ich habe es als großes Manko empfunden, daß in der gesamten Regierungserklärung des Kanzlers - die ja immerhin einen Kurswechsel einleiten sollte - das Thema Existenz-gründer nur am Rande und generell die Bedeutung einer Kultur der Selbständigkeit überhaupt nicht angesprochen wurde.

Von Unternehmertum, Markt und Wettbewerb war, wenn über-haupt, dann nur mit mahnend-kritischem Unterton die Rede.

Etwa nach dem Motto: Die Wirtschaft kümmert uns eigentlich wenig - aber wir brauchen sie halt, um den Interventionsstaat und seine überbordende Sozialbürokratie zu finanzieren!

Meine Damen und Herren,
wie soll mit einer solchen Grundeinstellung ein neuer Aufschwung in Deutschland entstehen?

Was wir bräuchten, ist ein klares Aufbruchsignal für ein freies, schöpferisch starkes Unternehmertum, für mittelständische Dynamik und Existenzgründungen!

Was wir dringend bräuchten, ist ein klares Bekenntnis zu weniger Staat und mehr Privat!

Unsere Wirtschaft braucht mehr Freiraum und Flexibilität!

Sie braucht weniger Gesetze und Vorschriften!

Sie braucht einfach wieder mehr Luft zum Atmen!

Mein Vorschlag ist, Existenzgründer auf die Dauer von 5 Jahren vom Kündigungsschutzgesetz generell auszunehmen!

Und mein Vorschlag ist auch, das komplette Arbeits- und Tarifrecht im Hinblick auf mehr Flexibilität für Mittelstand und Existenzgründer zu durchforsten!

Das Ziel muß lauten: Vorrang und nochmals Vorrang für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen!

Und der Weg dorthin kann einzig und allein über eine Entlastung der kleinen und mittleren Betriebe führen!

III.
Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit nicht nur die Bundespolitik ansprechen, sondern betonen:
Wir werden vor allem auch in Baden-Württemberg unsere eigenen Hausaufgaben machen!

Sie wissen, daß ich vor wenigen Wochen das Konzept einer umfassenden Verwaltungsreform vorgestellt habe.

Eine Reform an Haupt und Gliedern. Und ein konsequenter Schritt zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen.

Schlank - stark - bürgernah:
So soll unsere Verwaltung für das 21. Jahrhundert aussehen!

Und lassen Sie mich hinzufügen:
Die Landesregierung wird auch weiterhin eine aktive und offensive Politik zur Stärkung des IT- und Medienstandorts Baden-Württemberg betreiben.

Es ist klar, daß in der IT- und Medienbranche nach den Höhenflügen der 90er Jahre und um die Jahrtausendwende eine "Ernüchterung" eingetreten ist.

Eine Ernüchterung mit durchaus krisenhaften Symptomen!

Klar ist aber auch, daß sich speziell der IT- und Medienstandort Baden-Württemberg in dieser Anpassungs- und Kapitalmarktkrise - etwa im Vergleich zu anderen Zentren der Branche (wie z. B. München) - als relativ robust erwiesen hat.

Wenn dabei auch schwäbische Tugenden wie Bedachtsamkeit und solides Wirtschaften positiv ins Gewicht fielen, dann soll uns das recht sein. Und wir dürfen uns darin bestätigt sehen.

Unzweifelhaft ist, daß der IT- und Medienbereich eine wichtige Schlüsselbranche für die Zukunft ist und bleibt!

Unzweifelhaft ist, daß die momentane Krise der Branche keine Dauererscheinung ist, sondern sie früher oder später auf einen wieder beachtlichen Wachstumskurs einschwenken wird!

Diese Chancen wollen wir auch und gerade hier in
Baden-Württemberg nutzen!

Deshalb fahren wir fort mit unserer IT- und Medienoffensive (unter dem Logo doIT) - mit Gesamtinvestitionen von ca.
430 Mio. € allein in dieser Legislaturperiode
(für Bildung, Kreativität und Mittelstand).

Darüber hinaus wird sich die Landesregierung weiterhin entschieden und konsequent um die Stärkung einer Kultur der Selbständigkeit in Baden-Württemberg bemühen.

Das beginnt mit entsprechenden Erziehungs- und Lerninhalten an den Schulen, und es geht weiter bis zum Modellprojekt der "Gründerverbünde auf dem Campus" an unseren Universitäten.

Meine Damen und Herren, nicht umsonst findet die heutige Veranstaltung in den Räumlichkeiten der L-Bank statt.

Die L-Bank hat sich zu einem ausgesprochen leistungsfähigen Institut für Existenzgründerdarlehen, aber auch für Beteiligungs- und Wagniskapital entwickelt. Und sie wird dieses Engagement mit hoher Professionalität und Nachdruck fortsetzen.

Ich möchte Ihnen, verehrter Herr Brand, dafür herzlichen Dank und Anerkennung sagen.

Doch kommen wir nun zum wichtigsten Teil dieses Abends:
Wir sind gespannt auf die Preisträger des
CyberOne 2003!


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