Kabellose Energieübertragung für Industrieanwendungen

Überall dort, wo technische Geräte ihre Batterien aufladen müssen, waren lange Zeit ein Kabel und eine gewisse Ladezeit nötig. Inzwischen gibt es für Batterien mit kleinerer Leistung, wie zum Beispiel einem Smartphone, Möglichkeiten der berührungslosen Energieübertragung. Für Bereiche mit größeren Leistungen ist das noch Zukunftsmusik – für die E-Mobilität etwa oder auch für industrielle Zwecke.

Vier ehemalige Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts ISE haben sich in den letzten Jahren mit der Entwicklung kabelloser Energieübertragung beschäftigt und im April 2016 das Unternehmen Blue Inductive GmbH gegründet. Die Kernkompetenz des jungen Unternehmens liegt bei der Entwicklung hocheffizienter, kabelloser Batterie-Management-Systeme für Industrieanwendungen. Dazu zählen mobile Roboter, kabellose Transportsysteme oder autonome Gabelstapler –  also industrielle Fahrzeuge, die sich selbst verwalten, Aufträge annehmen und autonom ausführen sowie mit Menschen kommunizieren können.

Kommt man ins Büro des Start-ups, kann man erkennen, wie schnell das Unternehmen in kurzer Zeit personell gewachsen ist. Dicht gedrängt stehen die vielen Arbeitsplätze der inzwischen 16 Mitarbeiter in den Räumlichkeiten im Solar Info Center in Freiburg. Das Team hat sich seit seiner Gründung vor einem Jahr vervierfacht.

Laden ohne Zeitverlust

Das Ladesystem von Blue Inductive besteht aus einer Wallbox, an die ein Ladepad angeschlossen ist, das sich an verschiedenen Stellen in einer Industriehalle befinden kann. Über ein hochfrequentes Magnetfeld wird Energie auf eine im Fahrzeug installierte Empfangsspule übertragen. So kann das Fahrzeug während der Produktionsphasen stetig nachgeladen werden, ohne dass ein Zeitverlust durch den Ladevorgang entsteht oder sich das Fahrzeug auf einer Kontaktstelle platzieren muss, um geladen werden zu können. Eine mobile Elektronikeinheit im Fahrzeug sorgt für die schnelle und schonende Ladung des Batteriespeichers.

Angefangen hat Blue Inductive zunächst mit einem System des induktiven Ladens für bestimmte Batterie-Typen. Doch zukünftig möchte das Start-up Komplettsysteme mit passenden Batterien anbieten. Sie fokussieren sich dabei auf Hersteller mobiler Roboter, kabelloser Transportsysteme oder autonomer Gabelstapler als Kundenkreis – nicht nur in Deutschland, sondern auch in den angrenzenden Ländern. Nach einer ersten erfolgreichen Finanzierungsrunde durch neu gewonnene Investoren wie dem Hightech Gründerfonds, dem VC Fonds Baden-Württemberg, Phoenix Contact Innnovation Ventures oder der MBG Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft will Blue Inductive die Markteinführung ihres Produkts weiter vorantreiben und das bestehende Team ausbauen, das bisher neben den vier Gründern aus Entwicklern mit langjähriger Industrie- und Branchen-Erfahrung besteht.

Großer Erfolg und großes Glück war für das Start-up, dass es einen Patentanwalt als Business Angel gewinnen konnten, der nicht nur viel in Blue Inductive investiert hat, sondern sich auch um alle Patente kümmert, die sie für ihre Unternehmung benötigen.

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Nachgefragt!

Was war Ihr größter Erfolg bisher?
Wir wundern uns eigentlich jeden Tag, wie weit wir bisher gekommen sind. Da ist es schwierig, ein bestimmtes Erfolgserlebnis herauszuheben. Ganz klar war unsere erste Finanzierungsrunde Anfang Juli 2017 ein großer Erfolg, weil wir dafür auch sehr viel Arbeit investiert hatten. Das war auf jeden Fall der Erfolg mit dem größten Impact.

Gab es schon Rückschläge?
Es gibt viele kritische Momente bei der Gründung eines Unternehmens, bei denen wir aber bisher immer das Glück hatten, richtig gehandelt zu haben. Es gibt auch einige nervige Sachen, die einen aufhalten, die aber dazugehören. Außerdem kamen wir leider schon zwei Mal an den Punkt, dass es Kunden gab, die bestellt hätten, wir aber noch nicht so weit waren, um liefern zu können. So etwas ist sehr ärgerlich…

Wo soll die Reise hingehen? Was ist das langfristige Ziel?
Ein System am Markt zu haben, das wir als Produkt verkaufen können. Der Produktionsstart. Die langfristige Vision ist es, irgendwann auch im Bereich E-Mobility anzukommen. Aber vorher wollen wir erst einmal einen neuen Standard im Bereich Energieversorgung von mobilen Robotik-Anwendungen schaffen.