Am Reißbrett vordesignte Enzyme für schnelle Ergebnisse in der industriellen Biotechnologie

Überall dort, wo mehr aus einem Enzym herausgeholt werden soll, setzt das im letzten Jahr gegründete Unternehmen candidum an. Mit seiner Technologie generiert das Start-up für die unterschiedlichsten Bereiche in der industriellen Biotechnologie – vom Enzymentwickler, über Tierfutterhersteller bis zum Waschmittelproduzenten – am Reißbrett vordesignte Enzymen, welche  einen hohen Mehrwert schaffen, um in kurzer Zeit zu guten Ergebnissen zu kommen.

Enzyme sind hochkomplexe Nanomaschinen, die in Zellen massenhaft generiert werden, wie im menschlichen Körper etwa. Diese Nanomaschinen werden von candidum für eigentlich banale Anwendungen genutzt. Die Kunden kommen meist mit sehr konkreten Anliegen und einer Handvoll von Fragestellungen auf sie zu. Mit einem günstigen Ausgangsstoff möchte ein Kunde zu einem teureren Endprodukt kommen. Dafür setzt er sein Rohmaterial in verschiedenen Teilschritten zu seinem Endprodukt um. Enzyme helfen in diesem Prozess dabei, Veränderungen an den Molekülen durchzuführen. Wenn der Kunde etwa ein thermostabiles, ein pH-neutrales oder ein schnell arbeitendes Enzym ohne Nebenreaktionen in seinem Prozess benötigt, entwirft das Gründerteam von candidum das optimale Enzym, um das gewünschte Endprodukt ohne entstehende Nebenprodukte auf schnellem Weg produzieren zu können.

Größere Konzerne aus dem Life Science-Bereich haben in der Regel eigene Biochemiker, die passende Enzyme für sie entwerfen. Es gibt auch einige Datenbanken, aus denen passende Enzyme gezogen werden können. Das ist mittlerweile Standard in der industriellen Biotechnologie. Aber es kostet viel Zeit, alle Varianten durchzuspielen und die Reaktion zu detektieren. Dabei spielt auch das Budget des Unternehmens eine entscheidende Rolle.
candidum arbeitet in drei Bereichen daran, diese Prozesse schneller und kostengünstiger zu gestalten: Big Data, Simulation und Entwicklung. Anhand von Big Data-Analysen werden in kürzester Zeit verschiedenste Gen- oder Aminosäure-Sequenzen miteinander verglichen. In einem weiteren Schritt wird simuliert, wie sich diese Varianten mit den unterschiedlichsten Molekülen verhalten. Aus der Kombination der Data-Analytik und der Simulationserkenntnisse kann candidum so voraussagen, welche Positionen in der Sequenz verändert werden müssen, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Sie schränken den Prozess damit auf wenige Möglichkeiten ein, mit denen dann gearbeitet wird.

Pakete und Module für Industriekunden aller Art und Größe

Eine intensive Vorarbeit mit dem Kunden ist für candidum nötig, bis die eigentliche Arbeit beginnen kann, die dann aber deutlich schneller geht, als alle bisherigen Prozesse. Mit weniger Ressourcen und Zeitaufwand kommt der Kunde zu signifikanten Aussagen. Neue Projekte werden durch die Technologie von candidum überhaupt möglich gemacht, die sonst eine sehr aufwändige und kostspielige Analyse bräuchten. Dabei setzt das Gründerteam auf individuelle Konzepte bei jedem Kunden. Ihre Kerntechnologie haben sie in Pakete und Module gegossen, die sich an den unterschiedlichen Projektphasen orientieren. In Zusammenarbeit mit dem Kunden wird daraus ein maßgeschneidertes Produkt entwickelt.

Inzwischen kommen neue Kunden gezielt auf candidum zu. Ihre Technologie hat sich herumgesprochen und sie werden von ihren bisherigen Kunden weiterempfohlen. Mit fast allen Industriegrößen führen sie bereits Gespräche und sind mit vielen Unternehmen schon in der Planung von konkreten Projekten für die Zukunft.

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Nachgefragt!

Was war Ihr größter Erfolg bisher?
Unser erster Großauftrag war der größte Erfolg bisher. Das war im Sommer 2017. Danach gab es direkt einen Folgeauftrag und einige Parallelaufträge. Mit dieser Auftragslage haben wir uns jetzt ein Jahr Arbeit gesichert. Wir machen nun bereits Marketingkampagnen für 2019 und alles was wir jetzt erwirtschaften, geht in unsere Eigenentwicklung. Darüber sind wir sehr froh!

Gab es schon Rückschläge?
Tatsächlich stand es Mitte/Ende letzten Jahres fast auf der Kippe, ob wir weitermachen können. Wir hatten versucht, das Unternehmen über öffentliche Finanzierungen aufzustellen, was nicht so gut geklappt hat, wie gedacht. Aber wir haben weitergemacht, haben unseren Exit definiert und sind Schritt für Schritt weitergekommen. Und jetzt sind wir ja zum Glück über den Berg. Jetzt kommen dann die nächsten Herausforderungen...

Wo soll die Reise hingehen? Was ist das langfristige Ziel?
Die langfristigen Ziele verstehen sich mit den kurzfristigen: Wir wollen kein reiner Dienstleister sein, aber unsere Rechnungen werden derzeit über unsere Dienstleistungen bezahlt. Da wir in einem Technologietransfer inkubieren, sind unsere Nebenkosten sehr gering. Deshalb sind wir bereits im Kapitalaufbau und stecken das verdiente Geld in die Eigenentwicklung. Anhand von Marktanalysen, also im direkten Dialog mit dem Zielmarkt, möchten wir jetzt Lizenzmodelle entwickeln, die sehr lukrativ für uns sind.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Teilnahme beim CyberOne?
Dass wir endlich in die Puschen kommen, ein ordentliches Pitch Deck zu machen. Wir schießen zwar nicht direkt in Richtung Investoren, möchten aber gerne projektweise Investoren ansprechen. Da wollen wir über den CyberOne erste Kontakte knüpfen und Leute dafür interessieren. Das Feedback und der kritische Blick der CyberOne-Experten und der Jury sind sehr hilfreich für uns, genauso wie das Netzwerk der bwcon. Insgesamt gehen wir sehr entspannt und sportlich in den Wettbewerb.