Gummibärchen statt Spritze – ein neuartiges, liposomales Matrixsystem macht es möglich

Das aus dem Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg ausgegründete Unternehmen HEIDELTEC forscht bereits seit einigen Jahren an einer Möglichkeit, Arzneistoffe, die auf Peptiden und Proteinen basieren und bisher nur über Spritzen verabreicht werden können, zu re-formulieren und eine orale Verabreichung zu ermöglichen. Die PEPTORAL®-Technologie von HEIDELTEC beruht dabei auf Liposomen, die in eine Matrix eingebettet werden und so zu einer festen, gelartigen Arznei verarbeitet werden können. Die liposomale Matrixformulierung schließt den Wirkstoff vollständig ein und garantiert dafür, dass er sicher durch den Magen transportiert und erst im Darmtrakt in die Blutbahn  aufgenommen wird.

Für den sicheren Transport durch den Magen werden die herkömmlichen Liposomen mit bestimmten Lipiden, die sonst in den Zellmembranen von Einzellern vorkommen, stabilisiert. Die Einzeller machen sich die Lipide zu Nutze, um in schwierigen Bedingungen – wie etwa heißen Quellen – zu überleben. Dieses Prinzip wendet HEIDELTEC für ihre Technologie an und schützt so die zu verabreichenden Peptide oder Proteine vor einer Zersetzung im Magen.

Kleine Kugeln aus Gel entstehen durch die PEPTORAL®-Technologie. Sie haben die Konsistenz eines Gummibärchens und können einfach geschluckt werden. Das hilft zum Beispiel bei der Medikation bei Kindern, die sonst mehrmals am Tag gespritzt werden müssten. Die schmerzfreie und unkomplizierte Verabreichung von Medikamenten führt dazu, dass weniger Behandlungen abgebrochen werden. Die Gründer sprechen von einer Win-Win-Win-Situation – für den Patienten, den Medikamentenmarkt und das Gesundheitswesen. Auf Letzteres kommen im Falle eines Behandlungsabbruchs sehr hohe Kosten zu.

Forschung aus mehreren Jahren Promotionsarbeit

Das im Mai 2017 gegründete Unternehmen HEIDELTEC wird die nächsten zwei Jahre über das EXIST Forschungstransfer-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert und befindet sich momentan in der Forschungstransferzeit. Das Team besteht aus zwei promovierten Apothekern, einem promovierten Chemiker und einem Betriebswirt und wird zudem von zwei Mentoren vom Lehrstuhl der Universität begleitet. Der heutige Stand ihrer Forschung läuft seit einigen Jahren aus verschiedenen Promotionen zusammen.

Geplant ist es, in einigen Jahren mit ihrer Re-Formulierung PEPTORAL® an den Markt zu gehen. Dabei denken die Gründer an ein reines B2B-Geschäft. Ihre Kunden könnten Lizenznehmer oder Auftraggeber aus der pharmazeutischen Industrie und dem Life Science-Sektor sein, die immer auf der Suche nach Re-Formulierungen von Arzneimitteln sind. 

Ihre Forschungstransferzeit wollen die vier Gründer dazu nutzen, ihre Forschungsergebnisse zu stabilisieren und sich auf die Suche nach Investoren und Partnern zu begeben. Sollte nach den zwei Jahren EXIST-Förderung eine Anschlussfinanzierung stehen, will das junge Unternehmen weiter wachsen. Ziel ist es, in der Zukunft viele verschiedene Medikamente mit ihrer Formulierung in Apotheken stehen zu sehen.

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Nachgefragt!

Was war Ihr größter Erfolg bisher?
Die erfolgreiche Bewerbung beim EXIST-Forschungstransfer, der uns in den nächsten zwei Jahren alle Aufwendungen wie Reisekosten, Personalkosten, Geräte und Räumlichkeiten abdecken wird. Das sind immerhin 860.000 Euro Forschungsgeld! Aber auch die Patentanmeldung war ein großer Erfolg. Mit unseren Patentanwälten sind wir jetzt auch aktiv daran, unsere Patentstrategie zu entwickeln.

Gab es Rückschläge auf dem Weg bis hier her?
Nichts, was wir nicht lösen konnten. Hier und da funktioniert mal was nicht. Unser Zeitplan wurde zum Beispiel einmal ein bisschen durcheinander gebracht, weil uns wichtige Dinge nicht wie versprochen geliefert werden konnten. Das war zwischenzeitlich sehr ärgerlich, aber wir konnten die Zeit bis jetzt ganz gut wieder aufholen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Teilnahme beim CyberOne?
Preisgeld ist immer eine willkommene Geldspritze, gerade für unsere laufenden Kosten. Aber das ganze Paket des CyberOne – Unternehmerschule, das Netzwerk, die Fachjury – das ist sehr wertvoll und daraus können wir viel lernen. Das ist ja meist mehr wert, als Preisgelder.