Herr Siegloch, Sie sind seit Januar 2015 als bwcon-Vorstand für den CyberOne zuständig. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Amt zu übernehmen?

Seit meinem Ausscheiden bei Burda bin ich aktiv in der Gründerszene tätig. Und auch vorher schon habe ich mich für junge Unternehmen engagiert. Wenn sich Mitarbeiter bei Burda selbstständig machen wollten, habe ich das nach Kräften unterstützt. Auf diese Weise sind einige spannende Spin-offs entstanden. Insofern ist mein Einsatz für den CyberOne eine logische Fortführung meines bisherigen Engagements. Gleichzeitig möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass die Gründungsaktivität in Baden-Württemberg noch mehr an Fahrt aufnimmt. Es gibt hierzulande viele qualitativ sehr hochwertige Gründungsvorhaben, aber zahlenmäßig könnten es noch ein paar mehr werden.  

Was sind Ihre Aufgaben?

Gemeinsam mit Herrn König von bwcon und seinem Team kümmere ich mich um die Sponsorensuche. Gleichzeitig sind wir Ansprechpartner für die teilnehmenden Unternehmen und begleiten sie auf ihrem Weg von der Bewerbung bis zur Preisverleihung. Daneben organisieren wir auch die Jurysitzung und die CyberOne-Gala – das reicht von der Suche nach einer geeigneten Location über die Verpflichtung von spannenden Keynote Speakers bis hin zur Beschaffung der Preise.

Sie sind seit Langem bei bwcon aktiv und kennen den Wettbewerb und seine Historie. Was hat sich in den letzten 17 Jahren aus Ihrer Sicht geändert?

Die Unternehmen präsentieren sich heute allesamt sehr professionell. Sowohl die Businesspläne als auch die Präsentationen vor der Jury waren in diesem Jahr auf sehr hohem Niveau. Das hat sicherlich auch mit der Professionalisierung von bwcon selbst zu tun. Mit der Coaching Group, den Angeboten zur Gründungs- und Finanzierungsberatung und den zahlreichen weiteren Unterstützungsangeboten, die bei bwcon im Arbeitsbereich „Coaching & Finance“ zusammenlaufen, trägt die Wirtschaftsinitiative dazu bei, dass sich die Unternehmen optimal auf ihre CyberOne-Teilnahme vorbereiten können.

Der CyberOne ist als Businessplan-Wettbewerb weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Warum ist Baden-Württemberg ein so guter Nährboden vor allem für Hightech-Gründungen?

Baden-Württemberg besitzt tatsächlich eine hohe Innovationskraft. Nicht umsonst ist hier eine Vielzahl von Tüftlern und Innovatoren zu Hause. Doch in einem Bundesland, in dem nahezu Vollbeschäftigung herrscht, entscheiden sich viele gut ausgebildete junge Leute eben doch lieber für einen sicheren Arbeitsplatz in der Wirtschaft als selbst ein Unternehmen zu gründen. Insofern ist die Innovationskraft stark an die Konzerne und Mittelständler im Land gebunden. Wir bei bwcon möchten mit unseren Angeboten dazu beitragen, dass junge Leute mit guten Ideen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Wie schaffen Sie es, Biotech-Unternehmen in gleichem Maße anzusprechen wie Kreativagenturen und Maschinenbauer genauso wie IT-Firmen?

Aus den vergangenen Wettbewerben und aus der Gründerberatung von bwcon wissen wir: Es gibt sie, die Gründer mit hervorragenden Geschäftsideen, die beachtliche Innovationen hervorbringen. Unsere Aufgabe ist es, diese Leute zu finden, sie anzusprechen und sie zu motivieren, ihre Projekte im Rahmen des CyberOne einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen. Das ist uns in diesem Jahr offensichtlich besonders gut gelungen. Die Zahl der Einreichungen lag mit 76 Businessplänen fast doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Das liegt zum einen am sehr guten Marketing, das die Mitarbeiter von bwcon geleistet haben. Zum anderen hat uns auch die Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg und hier insbesondere die Förderung durch die Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge (ifex) des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft, genützt. Viele Gründer, die einen EXI-Gutschein in Anspruch genommen haben, sind so auf den CyberOne aufmerksam geworden. Mit bwcon und der ifex sind – wenn man so will – zwei Initiativen zusammengegangen, die zusammengehören.

So wie sich die teilnehmenden Unternehmen weiterentwickelt haben, hat sich auch der CyberOne selbst stetig weiterentwickelt. Welche Neuerungen gibt es in diesem Jahr?

Wir konnten erstmals SAP als Sponsor für den CyberOne gewinnen. Als Premiumsponsor stellt uns der Softwarekonzern für die Preisverleihung am 19. November auch die WIRSOL Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim zur Verfügung, was mich als ehemaligen Fußballer und Fan des TSG 1899 Hoffenheim besonders freut.

Was die Vermarktung des CyberOne angeht, so wollen wir in Zukunft noch enger mit regionalen Gründerinitiativen zusammenarbeiten. So können wir von den Kontakten profitieren, die die regionalen Anlaufstellen zu jungen Unternehmen haben, und unsere Kräfte bündeln.

Die Preisverleihung des CyberOne findet dieses Jahr erstmals gemeinsam mit der Forward IT, der Landeskonferenz zur IKT-Initiative des Landes Baden-Württemberg, statt. Welche Synergieeffekte versprechen Sie sich davon?

Der Schwerpunkt der Forward IT passt hervorragend zum Fokus des CyberOne. Wenn uns die Forward IT also noch ein paar zusätzliche Interessenten beschert, würde mich das sehr freuen. Letztlich profitieren sicherlich beide Veranstaltungen in gleichem Maße voneinander.

Sie engagieren sich auch außerhalb von bwcon für Start-ups, sind als Coach aktiv und halten Beteiligungen an jungen Unternehmen. Was muss ein Start-up mitbringen, damit Sie sich mit Ihrem Know-how und Ihrer Erfahrung einbringen?

Das sind für mich die klassischen Kriterien, die auch ein erfolgreiches Unternehmen ausmachen: Fachwissen, Engagement, Zielstrebigkeit und die Leidenschaft, Dinge zu bewegen. Wichtig ist auch die Fähigkeit, unternehmerisch zu denken. Deshalb unterstützen wir bei bwcon junge Unternehmen im Rahmen unserer Coachings darin, auch die wirtschaftlichen Aspekte einer Unternehmensgründung noch besser umzusetzen.

Vor Ihrer Karriere als selbstständiger Unternehmer haben Sie für den Burda-Verlag die Burda Direct Group aufgebaut. Was raten Sie jungen Unternehmen, die sich erfolgreich im Markt etabliert haben und nun ihr Wachstum planen?

Aus meiner eigenen Erfahrung rate ich zu solidem Wirtschaften. Besser klein anfangen und dann langsam groß werden, als mithilfe von Investoren zu schnell zu wachsen und dann das Wachstum nicht mehr bewältigen zu können. Wichtig ist auch, Kooperationen einzugehen, sich ein Netzwerk aufzubauen, das einem in der Wachstumsphase nützlich sein kann. Oft ergeben sich aus solchen Kooperationen Synergien für beide Seiten. bwcon ist dafür die ideale Plattform. Wir verbinden 600 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 5.500 Experten. Start-ups, die Mitglied bei bwcon werden, können enorm von dieser geballten Kompetenz profitieren.

Herr Siegloch, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Interview: Michaela Kürschner

Zur Person

Jürgen Siegloch ist seit Januar 2015 im Vorstand von bwcon und seitdem auch für den Businessplan-Wettbewerb CyberOne zuständig. Er ist Geschäftsführer von C&S Marketing und engagiert sich als Coach und Business Angel für junge aufstrebende Unternehmen aus der Hightech-Wirtschaft. Zuvor war er Geschäftsführer der Direktmarketing-Sparte des Offenburger Burda-Konzerns. Innerhalb von zwanzig Jahren hat er dort die Burda Direct Group aufgebaut und aus einer Abteilung mit anfangs acht Leuten eine eigene Division mit 1.000 Mitarbeitern, 20 Firmen und 250 Millionen Euro Umsatz gemacht.